DIE SCHULE DER DIKTATOREN
Die Schule der Diktatoren ist bitterer Ernst und eine Farce zu gleich: Der Träger des höchsten und verantwortlichsten Regierungsamtes ist eine
Marionette. Was geht da vor? Wenn Politik zur Inszenierung wird, mit dem Ziel die Bevölkerung zu täuschen, gewinnen diejenigen, die keine Skrupel
haben, die Lüge zur Wahrheit zu machen. Oder können die Täuschenden am Ende auch selbst getäuscht werden? Erich Kästner hat sein Stück unter dem Eindruck der Diktaturen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschrieben - es ist eine zeitübergreifende Studie über die Macht als Selbstzweck geworden. Gut organisierte, gefühllose, zielsichere und selbstentfremdete Machthabende sind schwer zu durchschauen, auch für die Bevölkerung - aber bei ihr liegt die einzige Chance! Das Ballhaus Prinzenallee entwickelt mit seinem Regieteam und Spielensemble eine ebenso choreographische wie spielerische Inszenierung, die Szene für Szene Bilder findet, die den Ernst in der Absurdität sowie die Satire im
Realen zeigt. Und da, angesichts des Rechtsrucks in Deutschland und dem Aushöhlen der demokratischen Institutionen weltweit, dieses Thema uns alle betrifft, ist es besonders konsequent, dass das Ensemble der Inszenierung aus ausgebildeten Schauspieler*innen, spielfreudigen Bürger*innen und Jugendclubspieler*innen besteht.
mit.mach.bühne
VOLKSFEINDE ist eine Produktions er mit.mach.bühne am Ballhaus Prinzenallee Berlin. Seit der Spielzeit 25/26 leite ich dieses Bürgerbühnenprojekt.
Was ist die mit.mach.bühne. Wie der Name schon vermuten lässt, ein Projekt das jedem und jeder die möchte, sie braucht, sucht und vielleicht sonst nicht hat eine Bühne gibt. In verschiedenen Gruppen arbeiten theaterpädogoginnen, Regisseurinnen und künstlerinnen mit Menschen zusammen, die einfach Bock auf gutes Theater haben - so auch der Name der integrativen, generationsubergreifenden Gruppe, die sie heute hier auf der Bühne erleben dürfen. Nach die Schule der Diktatoren im letzten Jahr ist dies bereits die 2. Große Produktion. 27 nicht professionelle Schauspielerinnen treten heute Abend hier auf.
Die mit.mach.bühne ist dabei weit mehr als ein theaterpädagogisches Projekt es ist gelebte Demokratie. Menschen unterschiedlicher Sozialisationen kommen zusammen, lachen, sprechen, verhandeln gemeinsam, streiten, ringen um Wahrheiten und erfinden gemeinsam eine Wirklichkeit, die sie dem Publikum zur Disposition stellen.
Gemeinsam haben wir uns an der dramatischen Vorlage „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen abgearbeitet. Bereits 1882 entwirft Ibsen mit diesem Stück eine Gesellschaftsanalyse, die wie eine Blaupause der Gegenwart wirkt. Wie viel Wahrheit verträgt eine Gesellschaft, die sich nach Sicherheit sehnt? Gemeinsam entwickelten wir eine Textfassung, die aus den ursprünglich 10 Figuren, 27 macht.
27 Figuren treffen in einem Dorf aufeinander - alle mit dem Anspruch das ihre Wahrheit, die richtige ist. Demokratie im Stresszustand. Eine Versuchsanordnung. Die Bühne als Versuchsraum - für und mit allen.
Überall sehen wir das diese Räume kleiner werden und ihre Relavanz in Frage gestellt wird. Ist Kunst, Theater relevant? Die Mit.mach.bühne versucht heute, hier und jeden Tag aufs Neue zu zeigen: ja, heute wie immer und vielleicht sogar denje.
Regie: Oliver Toktasch & Lukas David Schmidt
Musik: Lukas David Schmidt
Dramaturgie: Anne-Sylvie König
Bühnen&Kostüm: Svantje Woltersdorf